Die etwa dreieinhalb Stunden dauernde Führung beginnt im Zentrum von Kazimierz an der ul. Szeroka, einem länglichen Platz, an dessen Südseite sich die Remuh-Synagoge befindet. Diesist die einzige Krakauer Synagoge, die von der jüdischen Gemeinde noch heute benutzt wird. In der barocken Isaak-Synagoge dagegen informiert heute ein privates Museum, in dem auch ein Dokumentarfilm gezeigt wird, über das Leben in Kazimierz und die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges. Spazieren Sie durch das jüdische Viertel und stoßen auf das alte jüdische Badehaus und zahlreiche weitere Spuren der jüdischen Vergangenheit. In der ul. Berka-Joselewicza 5 etwa erinnert eine Tafel an den Tischler und Verfasser vieler jiddischer Lieder Mordechaj Gebirtig, der 1942 im Krakauer Ghetto erschossen wurde. Wenn Sie Steven Spielbergs ‚Schindlers Liste' kennen, werden Sie hier die Originalschauplätze ohne Mühe wiedererkennen können.
Nach etwa anderthalb Stunden machen Sie eine kurze Pause im jüdischen Kulturzentrum und fahren anschließend mit dem Bus in das von den Nazis errichtete Ghetto im Stadtteil Podgórze. Hier befand sich nicht nur die ehemalige Fabrik von Oskar Schindler, sondern auch die Adler- Apotheke, die Tadeusz Pankiewicz (1907-93) als junger Mann von seinem Vater übernahm. Nach Einmarsch der Deutschen fand er sich plötzlich als einziger Nichtjude im jüdischen Ghetto wieder und wurde so zum Zeugen der Vernichtung. Gleichzeitig mit der Liquidierung der Juden im Krakauer Ghetto begann im Oktober 1942 die Errichtung des Arbeitslagers Plaszow auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs. Am 14. März war das Ghetto vollständig liquidiert. Die Apotheke von Pankiewicz wurde zum geheimen Nachrichtenpunkt und Versteck für die jüdischen Bewohner des Ghettos. Zum Gedenken an diese Zeit und die Geschichte der Krakauer Juden befindet sich heute ein Museum in den Räumen der ehemaligen Apotheke.
Es sei Ihnen anempfohlen, Kazimierz nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal auf eigene Faust zu besuchen. Sie werden feststellen, dass die Straßenbeleuchtung hier noch immer schummriger als in anderen Teilen der Stadt ist. In die quicklebendige Innenseite des äußerlich unheimlichen und magischen Viertels tauchen Sie ein, sobald Sie in eines der vielen Cafés und Lokale eintreten, die die Straßen des Viertels säumen. Sie heißen Alchemia, Propaganda oder Singer - letztere eine legendäre Bar, in der Sie an alten Singer-Nähmaschinen Platz nehmen können.